Skatbiene
26. March 2026
Liebes orthopädisches Zentrum, ich möchte mich ganz herzlich für diese… nun ja… außergewöhnliche Erfahrung bedanken. Es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass man mit einem sichtbar stark entzündeten Finger – der sich im Nachhinein als bereits bis in den Knochen infiziert herausgestellt hat – zunächst freundlich am Telefon gebeten wird, doch bitte um 8 Uhr zu erscheinen, um dann nach einer guten Stunde Wartezeit vor Ort zu erfahren: „Kommen Sie nächste Woche wieder.“ Ein gewagtes Konzept, muss ich sagen. Besonders in Kombination mit einer potenziell lebensbedrohlichen Infektion entwickelt das Ganze fast schon einen Hauch von Abenteuerurlaub. Wer braucht schon Planungssicherheit, wenn man stattdessen mit einer möglichen Sepsis ein bisschen Nervenkitzel erleben kann? Über Ihre Ärztinnen und Ärzte kann ich leider nichts sagen – ich hatte nicht das Vergnügen, jemanden kennenzulernen. Das bleibt wohl ein Mysterium, ähnlich wie die Frage, ab wann ein Finger eigentlich „behandlungswürdig“ ist. Selbst ich als medizinischer Laie hätte vermutet, dass ein Finger, den man bei der Anmeldung vorzeigt und der aussieht, als hätte er bereits eigene Pläne für die nächste Evolutionsstufe, eventuell zeitnah Aufmerksamkeit verdient. Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu konservativ. Ein anderer Arzt hat mir inzwischen sehr eindrücklich erklärt, wie fahrlässig diese Situation war – was die Erfahrung im Nachhinein noch ein kleines bisschen… sagen wir… lehrreicher macht. Nun gut. Ich schreibe Ihnen diese Zeilen aus der Notaufnahme – die übrigens überraschenderweise der Meinung war, dass mein Finger doch eine gewisse Dringlichkeit besitzt. In diesem Sinne: Vielen Dank für nichts – und gleichzeitig für eine Geschichte, die ich so schnell nicht vergessen werde. Mit freundlichen Grüßen (und leicht pulsierendem Finger) Liebe Grüße aus der Notaufnahme